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SUS 4/2017

Schlammschlacht um Ringelschwänze

Heinrich Niggemeyer, Redaktion SUS

Wenige Wochen nach dem Start steckt das NRW-Landwirtschaftsministerium in der ersten Krise: Ministerin Christina Schulze Föcking (CDU) soll es mit dem Tierschutz in ihren Ställen nicht genau genug genommen haben.

Konkret geht es um abgebissene Ringelschwänze. Die Bilder kommen von Tierschutzaktivisten, die mehrmals illegal in die Ställe eingedrungen sind. Ehemann Frank Schulze Föcking hat Stellung bezogen. Ob die Staatsanwaltschaft Münster in diesem Fall ermitteln wird, ist noch nicht entschieden.

Spontan erklärten sich viele Schweinehalter solidarisch mit der Familie Schulze Föcking. Denn das Problem Schwanzbeißen ist multifaktoriell und daher schwer zu greifen. Die Fachleute wissen, dass es jeden treffen kann. Bei Schulze Föcking könnte ein Eberwechsel Auslöser gewesen sein. Welche Lehren sind zu ziehen?

  • Wir müssen noch intensiver als bisher am Problem Schwanzbeißen arbeiten. Dass einige Mäster bereits Erfahrungen mit „Langschwänzen“ gemacht haben, wird noch zu wenig kommuniziert. Auch über die Misserfolge müssenwir offen sprechen.
  • Bei Gesundheitsproblemen müssen Landwirt, Hoftierarzt und Behörden noch enger zusammenarbeiten. Gesundheitsindikatoren, die tagesaktuell erfasst und ausgewertet werden, können den Veterinären wertvolle Hinweise liefern.
  • Kranke und verletzte Tiere sind konsequent in Einzelbuchten unterzubringen. Die Behandlung ist deutlich sichtbar zu dokumentieren. In aussichtslosen Fällen ist das Tier rechtzeitig zu erlösen.
  • Besucherfenster und Stallkameras schaffen Transparenz. Sollten skandalträchtige Bilder auftauchen, können mit eigenen Aufnahmen die Verhältnisse wieder gerade gerückt werden.
  • Aktivisten werden weiter nachts in Ställe eindringen, um illegal Fotomaterial zu beschaffen. Daher sollte jeder sicherstellen, dass Türen weder offen stehen noch diese leicht zu knacken sind.
  • Trotz aller Vorwürfe sollten Schweinehalter ihre Toleranz gegenüber Andersdenkende bewahren. Hierzu gilt es, den direkten Kontakt zu den Verbrauchern zu suchen.
Angesichts der wiederholten Stalleinbrüche ist an die Gerichte zu appellieren, die damit verbundenen Auswirkungen kritischer zu bewerten. Denn hier werden Seuchenschutz
und Persönlichkeitsrechte der Landwirte missachtet!