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SUS 1/2018

Kastration: Von Dänen lernen

Fred Schnippe, Redaktion SUS

Clever diese Dänen! Zur Grünen Woche legte unser Nachbarland beim Tierschutz kräftig vor: Ab 2019 dürfen Ferkel dort nur noch mit lokaler Betäubung kastriert werden. Ein Kombiprodukt aus Procain und Adrenalin soll den Schmerz ausschalten.

Dänemarks Schweinehalter sind zufrieden. Dank gesetzlicher Anpassung dürfen sie die Lokalanästhesie bereits seit Jahresbeginn selbst anwenden. Voraussetzung sind eintägige Schulungen, die in Kürze starten. Damit sind dänische Ferkelexporteure bestens gerüstet, wenn das deutsche Verbot der betäubungslosen Kastration 2019 greift.

Und Deutschland? Wir drehen uns im Kreis! So blockieren Teile des BMEL und der Tierärzte-schaft weiter die Kastration mit lokaler Betäubung durch den Landwirt. Wichtige Untersuchungen zum sogenannten 4. Weg konnten deshalb erst Ende 2017 starten.

Dabei wird ignoriert, dass die Ebermast, die Impfung gegen Ebergeruch und die Kastration mit Narkose als alleinige Lösungen nicht ausreichen.

Doch ohne praktikable, bezahlbare Alternative zur Kastration haben unsere Ferkelerzeuger am Markt kaum eine Chance. Auch dem Tierschutz ist nicht gedient, wenn unsere Mäster krastrierte Ferkel im Ausland kaufen müssen und die Transportzeiten steigen.
Was ist jetzt zu tun?

  • Wir brauchen eine ehrliche Debatte, welche Alternativen zur derzeitigen Kastration praktikabel und vom Markt akzeptiert sind.
  • Wir brauchen mehr Rückhalt der Tierärzteschaft. Das jüngste Statement von bpt-Präsident Dr. Moder „Pro 4. Weg“ hilft uns.
  • Wir müssen einen Zeitplan aufstellen, ob und wie die Kastration mit lokaler Betäubung bis Ende 2018 realisiert werden kann.
  • Ist das nicht möglich, müssen wir die Übergangsphase zum Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration verlängern.
Klar: Dies ist ein heißes Eisen. Denn das Ende der betäubungslosen Kastration wurde bereits 2013 im Tierschutzgesetz fixiert.

Bleibt zu hoffen, dass Dänemarks Votum zur lokalen Betäubung auch bei uns zum Umdenken führt. Was bei unseren nördlichen Nachbarn und seit 2016 auch in Schweden möglich ist, darf in Deutschland nicht blockiert werden!

Der 4. Weg ist wichtig, um die Ziele von Verbrauchern, Tierschützern und Landwirten zu vereinen. Jetzt muss die Politik handeln!. (SUS 1/2018)