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SUS 2/2017

Schweinehaltung nicht abwürgen!

Fred Schnippe, SUS-Redakteur

Für die deutschen Schweine­halter geht es in den nächsten Monaten um die Existenz!
So wurde in Sachen Tier- und Umweltschutz ein ganzes Bündel von Verschärfungen angeschoben. Jede einzelne hat genug Sprengkraft, um zahlreiche Betriebe zur Aufgabe zu zwingen.

Um das zu verhindern, ist jetzt vor allem bei vier Punkten das Augenmaß der Politik gefragt:
Kastration: Der Eingriff ist ab 2019 nur noch mit Betäubung erlaubt. Klar ist, dass Ebermast, Immunokastration und Betäubung durch den Tierarzt als Alternativen nicht ausreichen. Die Marktakzeptanz ist zu gering bzw. die Kosten zu hoch. Das heißt, wir brauchen den 4. Weg – die Betäubung durch den Landwirt. Mit dem Lokalanästhetikum ­Procain ist der Einstieg möglich.
Kastenstände: Mit dem Magdeburger Urteil steht die bewährte Einzelhaltung im Deckzentrum vor dem Aus. Breitere Kastenstände oder die Gruppenhaltung bergen Verletzungsrisiken für Mensch und Tier. Hinzu kommen erhebliche Mehrkosten. Vieles spricht für das dänische Modell. Doch die Betriebe brauchen angemessene Übergangsfristen. Auch darf die notwendige Anpassung der Haltungsverordnung nicht missbraucht werden, um weitere Verschärfungen einzubauen.
Düngerecht: Die Novelle ist nach langem Tauziehen auf der Zielgeraden. Doch sind noch wichtige Details zu klären. So muss für die Hoftor-Bilanz der zulässige N-Saldo nach oben angepasst werden, da es sich um eine Brutto-Bilanz handelt. Und die Länderöffnungsklauseln dürfen nicht zum Freifahrtschein für grüne Agrar­minister werden. Hier muss Berlin den Rahmen schaffen, der ­überzogene Einschränkungen zur Gülledüngung verhindert.
TA-Luft: Bundesweite Filter- Pflicht, Emissionssenkung für BImSch-freie Ställe, mehr Ab­­stand zu Biotopen und Häusern – der Entwurf zur neuen TA-Luft kommt einem Stallbau-­Verbot gleich.Hier sind Sachlichkeit und eine gerechte Lastenverteilung zwischen Industrie, Verkehr und Landwirtschaft geboten. Ohne neue Ställe sind Fortschritte im Tier- und Umweltschutz blockier

Noch bleibt der Politik Zeit für Korrekturen. Werden die Initiativen durchgewunken, verstärkt sich der Trend zu Großbetrieben, und der Fa­­mi­lien­betrieb bleibt auf der Strecke. Das ist weder gesellschaftlich noch politisch gewollt!