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SUS 4/2018

Tierwohl muss bezahlbar bleiben!

Heinrich Niggemeyer, SUS

Geht es beim Tierwohl nicht auch darum, möglichst viele Betriebe mitzunehmen? Sollte man nicht gemeinsam nach den besten Lösungen suchen und auf erfolgreiche Initiativen im In- oder Ausland setzen? Zustimmung von allen Seiten, doch die aktuelle Politik spricht eine andere Sprache.

Kastration: Ab 2019 ist die betäubungslose Kastration verboten; Alternativverfahren lassen sich nicht flächendeckend umsetzen. Die Lösung kann die Kastration unter Lokalbetäubung sein, die mit Erfolg in Skandinavien eingeführt wurde. Doch die Politik will sich nicht die Finger verbrennen.

So wartet das BMEL auf eine Länderinitiative. Doch etliche Länder wollen sich enthalten oder dagegen stimmen. SPD-Landesvertretungen müssten sich der Bundes-SPD widersetzen, die die Lokalbetäubung ablehnt. Dieser Hickhack nervt und lähmt. Finden wir keine Lösung, ist die regionale Ferkelproduktion in Gefahr – mit verheerenden Konsequenzen.

Tierwohllabel: Die Branche will eine bundeseinheitliche Haltungskennzeichnung, die einen relevanten Anteil der Mäster und (!) Sauenhalter mitnimmt. Sie soll auf den Erfahrungen der Initiative Tierwohl (ITW) aufbauen, die erfolgreich die Haltungsbedingungen vieler Betriebe verbessert hat.

Das Problem ist, dass die Einstiegskriterien nach Willen der Tierschützer spürbar über dem ITW-Niveau liegen sollen. Die Landwirte können nur mitmachen, wenn sie die Mehrkosten zurückbekommen. Das heißt, die Preise an der Ladentheke müssten anziehen.

Doch zu glauben, der Verbraucher wird mitspielen und das Portemonnaie weiter aufmachen, ist naiv. Die Masse ist kaum dazu bereit, selbst bei einer glaubwürdigen Tierwohl-Kennzeichnung.

Der Herbst wird ganz entscheidend für die Schweinehalter. Wenn es die Politik nach der Sommerpause nicht schafft, den Weg für die Lokalbetäubung freizumachen, wäre eine Fristenverlängerung das Mindeste. Und beim staatlichen Label darf sich das BMEL nicht von den NGOs treiben lassen. Die Einstiegskriterien dürfen auf keinen Fall zu hoch gehängt werden.

Ein Scheitern bei der Lokalbetäubung und dem Tierwohllabel kann sich weder die Politik noch die Wirtschaft erlauben. Dies wird die erste Bewährungsprobe für Ministerin Julia Klöckner werden. Sie muss endlich das Heft in die Hand nehmen!