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Ernährungsstil ist starkes "soziales Tatoo"

Privatdozent Dr. med Thomas Ellrott, Institut für Ernährungspsychologie Göttingen auf der VzF-Tagung.

Die Wahl des persönlichen Ernährungsstils setzt eindeutige Signale. So ist es heute deutlich schwieriger geworden, Gäste daheim zu bewirten oder einen Kuchen für die Kita zu spenden. Denn es sind viele verschiedene Richtungen wie nachhaltig, vegan, vegetarisch oder zucker-, gluten- oder laktosefrei zu berücksichtigen.

Warum ist das so? Wieso hat das Essen heute diese Bedeutung? Diesen Fragen ging Privatdozent Dr. med. Thomas Ellrott auf dem 20. Bauerntag der VzF GmbH nach. Aus seiner Sicht sind die Gründe vielfältig. Viele gerade junge Menschen sind auf der Suche und probieren sich aus. Der eingeschlagene Ernährungsstil hat dann den Rang eines Statussymbols. Öffentlich propagiert erlaubt er sogar eine Vorab-Charakterisierung und ist ein starkes soziales Tattoo. Dieses ersetzt zunehmend die traditionellen Status- und Zugehörigkeitssymbole.

"Früher haben Kirche und Familie Halt gegeben und waren quasi die Leitplanke. Beides hat an Bedeutung verloren und muss ersetzt werden. Zudem ist die Welt durch die Globalisierung und Digitalisierung komplexer geworden", erklärte der Ernährungsmediziner. Die Sehnsucht nach Überschaubarkeit reicht heute bis zum Teller.

Deshalb sind Einschränkungen durch den Ernährungsstil keine Hemmnisse, sondern eher eine Hilfe. "Wer im vollen Supermarkt einen nützlichen Filter wie vegetarisch einstellt, reduziert die Auswahl und erleichtert sich dadurch die Entscheidung ganz erheblich", betonte Ellrot. Mag das Zeitgeschehen noch so komplex und deshalb beängstigend sein: „Wenigstens das Einkaufen und Essen hat man im Griff“, erklärte Ellrott abschließend.