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SUS 1/2019

Interview: Wird China wieder Exportmotor?

Matthias Kohlmüller ist Experte für Vieh- und Fleischmärkte bei der AMI.

Der Export von Schweinefleisch nach Asien ist existenziell für unseren Markt. Die aktuelle Situation beim China-Geschäft erklärt Fachreferent Matthias Kohlmüller von der Agrarmarktinformationsgesellschaft (AMI).

Wie lief 2018 der Export nach China?
Bis Ende September konnte Deutschland rund 150 000 t Schweinefleisch nach China liefern. Das sind 16  % mehr als im Vorjahreszeitraum. An das Re­kordjahr 2016 mit Exporten von 300 000 t Schweinefleisch konnten wir aber nicht an­knüpfen. Schwerpunkt bleiben Schlachtnebenerzeugnisse wie Ohren, Schwän­ze, ­Pfoten etc.

Wie wirkt sich die ASP in China aus?
Etliche asiatische Verbraucher schwenken auf Geflügel- oder Rindfleisch um. Horrorbilder von Keulungsaktionen und die Sorge vor einer Ansteckung mit ASP drücken den Konsum. Eine verstärkte Nachfrage von EU- Fleisch ist daher noch nicht greifbar.

Und der Handelskrieg mit den USA?
Das ist schwer einzuschätzen, weil der Zustand der Handelshemmnisse schnell wechselt. Derzeit deutet sich eine Entspannung an. Doch Peking hat 60  % höhere Zölle auf US-Agrargüter verhängt. Das trifft die ­US- Schweine- und Sojafarmer hart. In den ersten zehn Monaten des letzten Jahres haben die USA rund 35  % weniger Schweinefleisch nach China geliefert.

Kann Deutschland davon profitieren?
Im Herbst 2018 hat Peking vier mittelständischen Schlachtbe­trieben aus Deutschland eine Exportlizenz erteilt. So dürfen jetzt 18 Schlachtbetriebe liefern. China gibt jedoch harte Restriktionen vor. Die Exporttiere müssen bei uns geboren, gemästet, geschlachtet und zerlegt worden sein.

Was erwarten Sie für die Exporte 2019?
In China greift die ASP weiter um sich. Bei Keulungsraten um 10  % könnte sich der landesweite Bestand jährlich um 20 bis 30 Mio. Tiere verringern. Spätestens im zweiten Halbjahr 2019 könnte unser ­Fleischexport nach China um 20 bis 30  % zulegen. Voraussetzung ist, dass Deutschland selbst ASP-frei bleibt!