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Haltungs-VO: An der Praxis vorbei!

Berlin will 5 Quadratmeter Aktionsfläche für die Sau.

Keine Frage: Die deutschen Ferkelerzeuger brauchen beim Thema Kastenstand bzw. Freilauf für die Sauen endlich Planungssicherheit. Doch der kürzlich vom Berliner Agrarressort vorgestellte Entwurf zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung geht weit an der Praxis vorbei. Für Kritik von Fachleuten und Praktikern sorgt zum einen die von Ministerin Julia Klöckner vorgeschlagene 5 m² große Aktionsfläche für ferkelführende Sauen. Denn bei einem derart großen Platzangebot für die Sau steigt die Gesamtfläche der Abferkelbucht schnell auf 8 bis 9 m²! Die Unterbringung der großen Freilaufbuchten in vorhandenen Abferkelabteilen scheint utopisch. Noch schlimmer: Bei fehlendem Ferkelschutzkorb bzw. zunehmendem Freilauf für die Sau steigt die Gefahr der Ferkelverluste extrem an. Das zeigen die umfangreichen Untersuchungen im InnoPig-Projekt deutlich. Leider wurden die fachlich hervorragenden Untersuchungen bei der Neugestaltung der Haltungsverordnung offenbar ignoriert.
Das zweite große Problemfeld sind die Kastenstände im Deckzentrum. Hier will Berlin die Einzelhaltung von derzeit 35 Tage auf maximal acht Tage begrenzen. Hinzu kommt: Die Kastenstände sollen künftig mindestens 2,20 m statt bisher 2 m lang sein müssen. Für viele Betriebe ist das ein K.O.-Kriterium für die weitere Nutzung ihrer vorhandenen Gebäude.
Aus dem landwirtschaftlichen Berufstand hagelt es daher Kritik für den neuen Entwurf. Zurecht! Denn mit den geplanten Verschärfungen für die Sauenhaltung werden die deutschen Betriebe im internationalen Wettbewerb noch weiter abgehängt. Schon jetzt muss Deutschland mehr als 30 % der benötigten Mastferkel aus dem Ausland importieren. Zieht Berlin die geplante Verschärfung der Haltungs-VO durch, zwingt das eine Vielzahl weiterer Familienbetriebe zum Ausstieg.