Polen: ASP-Ausbruch in Großanlage

Auf dem Betrieb mussten über 16.000 Schweine gekeult werden.

In Polen ist zum ersten Mal in diesem Jahr ein Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in einem Nutztierbestand nachgewiesen worden. Die Oberste Veterinärbehörde bestätigte am vergangenen Donnerstag den Ausbruch in einem Betrieb im Landkreis Świebodzin der Wojewodschaft Lebus, knapp 60 km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt. Betroffen ist ein Sauenbestand mit fast 16 000 Tieren. Es handelt sich damit um den zweitgrößten Einzelfall seit dem erstmaligen Auftreten der Tierseuche in Polen im Jahr 2014. Medienberichten zufolge ist nun die Sorge groß, dass die Seuche über Ferkel auch auf andere Betriebe gelangt sein könnte. Unterdessen grassiert die ASP im polnischen Wildschweinbestand unvermindert weiter. Laut den offiziellen Angaben wurden in der zweiten Märzwoche insgesamt 86 neue Funde mit insgesamt 163 Tieren verzeichnet. Problematisch aus deutscher Sicht ist die Tatsache, dass davon allein 60 der registrierten Totfunde aus dem grenznahen Lebus stammten. Die Zahl der bislang bestätigten ASP-Fälle bei Wildschweinen in Polen beläuft sich in diesem Jahr dem Friedrich Loeffer-Institut (FLI) zufolge auf 794, nur übertroffen von Ungarn mit 1 084 Stück. Für Deutschland liegen die 2021 bis dato erfassten Fälle bei 440 Schwarzkitteln. Seit dem ersten Ausbruch im September 2020 waren es bis einschließlich des vergangenen Donnerstags in Sachsen 68 und in Brandenburg 780 ASP-Fälle, zusammen also 848.

In Mecklenburg-Vorpommern sollen weitere, speziell ausgebildete Jagdhunde dabei helfen, verendete Wildschweine aufzuspüren. Im Dezember hatten die ersten zwölf Hunde ihre Ausbildung zum Fallwildsuchhund erfolgreich abgeschlossen; nun läuft im Forstamt Nossentiner Heide der zweite Kurs für weitere neun Hunde und ihre Führer. „In Mecklenburg-Vorpommern gibt es bis jetzt glücklicherweise noch keinen positiven ASP-Fund. Dennoch ist die Bedrohungslage enorm“, erklärte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. Allein die ungebrochene Dynamik des Seuchengeschehens in Brandenburg und Sachsen zeige, welch große Aufgabe die Tilgung dieser Seuche darstelle. Die Folgen eines Ausbruchs seien tiefgreifender als viele erwarten würden, darunter Bewegungseinschränkungen für Bürger und Bewirtschaftungseinschränkungen für Landnutzer. „Die Ausbildung von Fallwildsuchhunden ist Teil eines umfangreichen Maßnahmenpakets des Landes zur Bekämpfung der ASP-Gefahr“, erläuterte der Minister. Sie könnten dort suchen, wo selbst modernste Technik an Grenzen stoße. Allerdings sei die Ausbildung aufwändig und teuer. Der erste Kurs für zwölf Gespanne habe etwa 230 000 € gekostet. „Der Schaden aufgrund des aktuellen ASP-Ausbruchs in Brandenburg und Sachsen wird allein durch den Ausfuhrstopp auf 1,3 Mrd. € geschätzt. Setzt man die Kosten zueinander ins Verhältnis, ist die Hundeausbildung eine gute Investition“, so Backhaus. AgE


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