Tierwohl-Fleisch schwächt Konsum

Die Tierwohlkampagne der LEH-Ketten kann den Fleischabsatz empfindlich drücken.

Die großen deutschen Lebensmittelketten wollen beim Frischfleisch schon in neun Jahren nur noch Produkte aus der Haltungsform 3 und 4 anbieten. Damit geht ein erheblicher Preisanstieg für die Endkunden einher. Denn schon in Haltungsstufe 3 bekommen die Tiere unter anderem mindestens 40% mehr Platz und Zugang zum Außenklima. In Haltungsstufe 4 verdoppelt sich das Platzangebot im Vergleich zur konventionellen Haltung, ein Auslauf und GVO-freies Futter sind Pflicht. Was das für die Verbraucherpreise heißen kann, zeigt Aldis Segment fair und gut, wo der Discounter Erzeugnisse vom Verband Neuland vertreibt. Schweinesteaks aus der Haltungsform 3 kosten in diesem Segment 2,99 € in der 250 g-Packung bzw. 11,96 € pro Kilogramm. Das sind mindestens 50 % mehr als Fleisch aus konventioneller Haltung. In Wochen mit Angebotspreisen für konventionelle Ware ist der Preisabstand sogar noch größer.
Eine derart große Verteuerung des Fleisches wirkt sich vermutlich negativ auf das Konsumverhalten aus, erwartet Professor Achim Spiller von der Universität Göttingen. Denn beim Fleischeinkauf ist die sogenannte Preiselastizität gering. Nach ersten groben Schätzungen des Göttinger Fachmannes könnte der Fleischkonsum im Zuge der Tierwohlkampagnen der LEH-Ketten um rund 5% nachgeben, und zwar zusätzlich zum ohnehin auftretenden Rückgang des Fleischverzehrs.