Ferkel: Spotmarkt ohne Anstandsgrenzen

Die Vermarktungssituation für die Erzeuger wird immer dramatischer.

Zwar konnte sich die VEZG-Notierung bislang auf dem Niveau von 1,27 €/Idx halten und es gibt zumindest in der laufenden Woche wohl auch keine Bestrebungen von der roten Seite, den Preis zu diskutieren. Dennoch spitzt sich die Vermarktungssituation für die Erzeugerbetriebe weiter zu. Die strengen Corona-Auflagen und der Personalmangel in den Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben drosseln die Schlachtzahlen. Hinzukommen Härtefälle, wie die behördlich angedrohte Schließung des zur Tönnies-Gruppe gehörenden Weidemark-Schlachthofes in Sögel, die im letzten Moment abgewendet werden konnte. Gleichzeitig beeinflussen natürlich die durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Brandenburg verhängten Handelsrestriktionen für Drittlandmärkte das Marktgeschehen.

Diese Gemengelage sorgt dafür, dass wir nach Einschätzung von Marktexperten einen Überhang an Schlachtschweinen von mehr als 70.000 Tieren vor uns herschieben. Die durchschnittlichen Schlachtgewichte (SG) nehmen rasant zu und von einigen Vermarktungsorganisationen ist sogar zu hören, dass die 100 kg SG-Schwelle mittlerweile überschritten ist. Das schlägt ohne Maskenanpassungen der Schlachthöfe voll auf die Erzeugerpreise durch. Zudem drehen einige Akteure auf Viehhandels- bzw. Schlachthofseite die Vorkosten nach oben und ursprünglich vereinbarte Zuschläge werden mit Verweis auf die Marktlage schlichtweg nicht gezahlt. Auch wird davon berichtet, dass der ein oder andere große Schlachthof die Abholung von Schlachttieren garantiert, wenn der Landwirt im Gegenzug Vertragsmäster wird. Hier nutzt man wohl die Situation zur zukünftigen Rohstoffsicherung aus.

Die Situation auf den Mastbetrieben beeinflusst natürlich die Ferkelvermarktung. Vielerorts ist zu hören, dass viele feste Mäster-Ferkelerzeuger-Beziehungen weiterhin gut funktionieren, sofern der Veredlungsbetrieb seine Ställe geräumt bekommt. Sorgen bereiten den Erzeugerorganisationen vor allem freie Ferkelpartien. „Auf dem Spotmarkt gelten keine Anstandsgrenzen mehr“, so der Berater einer Erzeugerorganisation aus dem nordwestdeutschen Raum. So soll es teils realitätsferne Kaufangebote von 15 € für ein 25 kg-Ferkel in der 1000er-Partie gegeben haben, die abgelehnt worden sind. Zudem versuchen vereinzelt Viehhändler bestehende Mäster- Ferkelerzeuger-Beziehungen aufzubrechen. Auch wenn der Mastbetrieb sonst einen anderen Ferkelbezug hat, wird die Abholung von Schlachttieren dann daran gekoppelt, dass der Betrieb vorher die Auftragsbestätigung für die nächste Ferkelpartie unterschreibt.


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