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Interview: Lokalanästhesie statt Vollnarkose!

Prof. Dr. med. H. Friess, Klinik für Chirurgie, Technische Universität München.

Die Lokalanästhesie bei der Kastration männlicher Ferkel wird unter Fachleuten kontrovers diskutiert. In der Humanmedizin hingegen wird sie aufgrund vieler Vorteile gegenüber der Vollnarkose routinemäßig in großem Umfang angewandt. Darauf weist Prof. Dr. med. Helmut Friess von der Klinik für Chirurgie in München hin. Der Humanmediziner verfolgt seit Monaten die Diskussionen um die Betäubung vor der Ferkelkastration. Lesen Sie hierzu das Kurzinterview aus der neuen SUS 5/2018:

Sie haben als Humanmediziner einen Brief an Ministerin Klöckner zum Thema Ferkelkastration verfasst. Warum?
Friess: Seit Monaten verfolge ich das Thema Ferkelkastration und bin überrascht, mit wie viel Emotionen und mit wie wenig Fakten die Diskussionen geführt werden. Zu manchen Diskussionspunkten kann ich nur mein Unverständnis bekunden. Das wollte ich mit dem Brief zum Ausdruck bringen.

Welche operativen Eingriffe werden unter Lokalbetäubung durchgeführt?
Friess: Beispiele sind die Sterilisation bei Männern mit Durchtrennen der Samenleiter, Leistenbruch-OPs, Zahnbehandlungen und kieferorthopädische Operationen, Wundversorgung nach Schnittverletzungen, um nur ein paar gängige OPs zu nennen.

Welche Vorzüge sehen Sie im Vergleich zur Vollnarkose?
Friess:
Das Allgemeinempfinden des Patienten bleibt bei einer Lokalanästhesie komplett unbeeinträchtigt, weshalb sie hohe Akzeptanz erfährt. Und es werden Risiken einer Inhalationsnarkose mit Isofluran oder Injektionsnarkose vermieden. Vollnarkosen erfordern einen großen apparativen und personellen Überwachungsaufwand, damit der Patient keinen Schaden nimmt. Auch müssen die Patienten vor einer Operation mehrere Stunden nüchtern sein, was in gleichem Maße auch in der Tiermedizin gilt.

Wird stets eine komplette Schmerzausschaltung erreicht?
Friess:
Täglich werden in der Humanmedizin tausende von Eingriffen in Lokalanästhesie sehr erfolgreich durchgeführt. Würde keine komplette Schmerzausschaltung erreicht, wäre dieses Verfahren schon längst nicht mehr bei allen genannten Eingriffen in Anwendung. In der Human- wie Tiermedizin gilt jedoch: Kein Verfahren ist hundertprozentig.

Hat das BMEL reagiert?
Friess: Nein, weder Nachfragen noch Reaktionen.