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Isofluran: Kritik aus der Praxis

Das Narkosegas gelangt auch in die Stallluft und belastet den Anwender.

Ende letzten Jahres hat das Narkosegas Isofluran eine Zulassung für die Ferkelkastration erhalten. Nach Schulungen sollen auch Landwirte die Inhalationsnarkose durchführen dürfen. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen. Denn damit steht in absehbarer Zeit eine weitere Alternative zur betäubungslosen Kastration bereit.
Doch unter Landwirten und Tierärzten formiert sich zunehmend Kritik an dieser Betäubungsvariante. Im Fokus steht der Anwenderschutz. So mahnt die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) an, dass bei der Kastration mit Isofluran kein ausreichender Anwenderschutz gegeben ist. Die Sozialversicherung beruft sich auf Messungen im Stall. Hier wurden erhöhte Isofluran-Werte festgestellt, die zu Gesundheitsschäden insbesondere an der Leber führen können. Das Narkosegas stammt zum einen aus den Atemmasken der Ferkel, die nicht zu 100 % dicht abschließen. Hinzukommt das Isofluran aus der Atemluft der Ferkel.
Etliche Betriebsleiter sind daher um die eigene Gesundheit und die ihrer Mitarbeiter besorgt. Auch einige Tierärzte haben signalisiert, dass sie die Kastration mit Isofluran aufgrund der Gesundheitsrisiken nicht durchführen werden. Sie verweisen auf die langanhaltende Belastung, wenn große Tiergruppen mit Isofluran narkotisiert werden müssten. Die Lage ist nicht mit der in Bio-Betrieben vergleichbar, wo das Narkosegas schon länger bei verhältnismäßig kleinen Tiergruppen eingesetzt wird.
Ein weiterer Kritikpunkt beim Isofluran ist der Tierschutz. So zeigen Untersuchung, dass bei bis zu 20 % der Ferkel keine ausreichend tiefe Narkose einsetzt. Diese Tiere können Schmerz verspüren. Sie sind aufgrund der Ausschaltung des Bewusstseins aber nicht in der Lage Schmerzlaute oder Abwehrreaktionen zu zeigen.