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Ferkelkastration: Fristverlängerung kommt

Koalition will Betäubungspflicht verschieben.

Die Sauenhalter können aufatmen. Die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration wird wohl um zwei Jahre auf den 1.1.2021 verlängert. Auf einen entsprechenden Gesetzentwurf hat sich die Große Koalition am Freitagabend geeinigt. Nun kommt der Entwurf zur Lesung in den Bundestag und Bundesrat.

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Gitta Connemann äußert sich dazu wie folgt: "Ohne ein Handeln des Gesetzgebers würden gerade die kleinen Höfe ab dem kommenden Jahr vor einem unlösbaren Problem stehen. Denn es gibt zurzeit keine marktgängige oder praktikable Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration. Erforderliche Tierarzneimittel sind noch nicht zugelassen. Alternative Verfahren werden bislang von Handel und Verbraucher nicht akzeptiert. Ein Verbot ohne Alternative würde viele Sauenhalter zur Aufgabe zwingen. Die Folge wäre die Abwanderung der Ferkelerzeugung ins Ausland - mit zum Teil erheblich niedrigeren Tierschutzstandards. Den Preis dafür würden also auch Tierwohl und Verbraucher zahlen. Mit dieser Einigung wenden wir das ab und verhindern diesen Strukturbruch."

Dr. Matthias Miersch, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, stellte fest: "Wir haben aus der fatalen Situation, in die das Bundeslandwirtschaftsministerium und Funktionäre des Bauernverbandes viele Landwirte gebracht haben, das Möglichste gemacht. Die zweijährige Übergangsfrist muss jetzt genutzt werden, um tierschutzgerechte Alternativen für die Praxis zu erarbeiten. Wir erwarten, dass diese Aufgabe von allen Beteiligten mit Hochdruck angegangen wird."

Grüne und Verbraucherschützer hingegen empörten sich und kritisierten den jetzt beschlossenen Aufschub. Nach Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nehme die Große Koalition "millionenfaches Tierleid" hin, obwohl es von Wissenschaftlern, Tier- und Verbraucherschützern anerkannte Alternativen gebe - wie etwa die Kastration unter Narkose. Diese sei der Fleischindustrie aber zu teuer.