Label: Handel prescht vor

Der LEH und Berlin starten neue Label. Die Landwirte haben Sorge, dass sie auf den Kosten sitzen bleiben. Dazu die VEZG-Spitze im Interview.

F. Schnippe, H. Niggemeyer, SUS

Warum startet der LEH die gemeinsame Haltungsform mit vier Stufen?

Hortmann-Scholten: Tierhalter stehen im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik. Betroffen ist auch der deutsche Lebensmittelhandel (LEH), der in permanenten Diskussionen mit den NGOs steht, und Antworten geben muss.

Frieß: Positiv ist, dass sich führende Unternehmen auf ein einheitliches Konzept verständigt haben. Das Ziel ist, die Labelflut einzudämmen.

Behalten die Ketten ihre Eigenmarken?

Hortmann-Scholten: Nach unseren Erfahrungen versucht sich der LEH immer wieder vom Wettbewerb abzuheben. Der Trend zur Regionalität und der Profilierung mit Eigenmarken bleibt bestehen.

Welche Marktanteile kann das LEH-Label erreichen?

Frieß: Die Landwirtschaft hat mit ITW gezeigt, dass sie bereit ist, mehr Tierwohl zu leisten. Im LEH-Label wird das Gros der Schweinefleischprodukte zurzeit noch in der Stufe 1 vermarktet. Die künftigen Marktanteile hängen von der Nachfrage des LEH ab und davon, ob die gewährten Preisaufschläge für die Landwirte interessant sind.

Hortmann-Scholten: Sehr schwer wird es, die Marktanteile in der Stufe 3 mit Auslauf und in der Stufe 4 (Bio) zusammenzubringen. Hier dürften in der Anfangsphase lediglich einstellige Prozentanteile zusammenkommen.

Wer macht den Preis?

Hortmann-Scholten: Die Preisgestaltung bei den vier Stufen ist völlig offen. Da der Verbraucher die geforderten Qualitätsansprüche bezahlen muss, wird die künftige Preisdifferenzierung an der Kasse durch den Kunden entschieden.

Frieß: ITW hat den Ansatz, nur die reinen Mehrkosten zu vergüten. Dies lag daran, dass die Nämlichkeit der Ware nicht Gegenstand war. Das ändert sich mit der neuen Haltungsform. Es müssen Lieferverträge geschlossen werden, um der Landwirtschaft Planungssicherheit zu geben. Auch der LEH braucht gesicherte Mengen. Die VEZG wird die entstehenden Kosten kalkulieren lassen. Dabei ist es wichtig, auch Faktoren wie Risikozuschlag und Unternehmergewinn zu berücksichtigen. Wir werden unseren Mitgliedern Zuschläge für die Stufen empfehlen und veröffentlichen. Es steht auch der Landwirtschaft zu, Preise zu machen. Wir sollten nicht darauf warten, was andere geben wollen. Wir brauchen ein neues Selbstverständnis.

Wie bewerten Sie die Mehrkosten in den vier Stufen?

Frieß: Die Erzeugungsvorgaben liegen noch nicht endabgestimmt vor. Bei der Stufe 2 dürften sich auf Erzeugerstufe Mehrkosten von 20 bis 25%, bei der Stufe 3 zwischen 30 und 40% gegenüber der konventionellen Produktion ergeben. Die vollkostendeckenden Schweinepreise der Stufe vier dürften sich auf dem derzeitigen Preisniveau von Ökoschweinen bewegen.

Wie reagiert die Schlachtstufe?

Hortmann-Scholten: Auf die Schlacht- und Verarbeitungsstufe kommen natürlich erhebliche logistische Mehrkosten zu. Der erhöhte Aufwand liegt in der Trennung der Warenströme und der Chargenbildung. Dies dient zur Sicherstellung der Nämlichkeit.

Wer auditiert die Erzeugerbetriebe?

Frieß: Bestehende Systeme der Initiative Tierwohl (ITW) bzw. das QS-System müssen in die Überlegungen einbezogen werden. Sollte dies nicht gelingen, droht ein Audit-Tourismus....

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