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Tönnies will Mäster vertraglich binden

Das Schlachtunternehmen Tönnies will bis zu 25 % seiner Schlachtmenge über Erzeugerverträge absichern.

Deutschlands führendes Schlachtunternehmen Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück bietet Schweinemästern ab sofort neue Lieferverträge an. Mit der Vertragsunterschrift verpflichten sich die Betriebe dazu, in Kooperation mit ihrem Viehhändler eine bestimmte Zahl an Schlachtschweinen pro Jahr an das Unternehmen zu liefern. Der Liefer- und Abnahmevertrag läuft über zwölf Monate und verlängert sich um ein Jahr, wenn nicht mit dreimonatiger Frist gekündigt wird. Tönnies plant bis zu 25% seiner Schlachtmenge über diese Vereinbarungen zu fixieren.

Nach Aussage des Marktführers bietet die feste Lieferbeziehung den Erzeugern vor allem mehr Planungssicherheit. So kann man sich als Bezahlmodell für einen Tagespreis, einen Wochenpreis oder einen Drei-Wochen-Preis auf Basis der VEZG-Notierung entscheiden. Zusätzlich will der Schlachter einen Bonus zahlen und als Zahlungsziel fünf Tage einsetzen. „Um die Lieferkette vom Landwirt an den Schlachthof weiter zu verbessern, den Markt zu stabilisieren und Transparenz in die Lieferbeziehung zu bringen, bietet Tönnies diese Partnerschaft an“, sagt Dr. Robert Elmerhaus, Leiter Lebendvieheinkauf bei Tönnies.

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) hat sich skeptisch zu dem Vertragsangebot des Schlachtgiganten geäußert. Sie vermutet, dass sich der Schlachter damit in erster Linie Teile des in Deutschland knapper werdenden Schlachtschweineangebotes sichern will. Auch andere Marktkenner und Erzeugervertretungen geben hier zu Bedenken, dass es für die VEZG immer schwieriger wird einen marktgerechten Preis zu ermitteln, wenn immer mehr Schweine über feste Lieferverträge vermarktet werden.

Zudem kann das Unternehmen so umfangreich Schlachtdaten sammeln, die auch für die Prozesse in der Fleischverarbeitung wertvoll sind. Die ISN appelliert an die Schweinebetriebe genau durchzurechnen, ob die Vertragsbindung wirtschaftlich Sinn macht und dies auch die Freigabe betrieblicher Daten rechtfertigt. Zudem fordert die Interessenvertretung einen Bonus für Ferkel deutscher Herkunft.